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Holz aus der Zeit der "Schamanin"

Moderator: Harald

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Peter G
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Holz aus der Zeit der "Schamanin"

Beitrag von Peter G »

Liebe Holzfreunde und -innen,

bei der Neuordnung und Auflösung meines umfangreichen Vorrates an Drechselhölzern entdeckte ich Reste von Mooreiche. Dabei handelt es sich nicht um eine Baumart, sondern um Eichenstämme, die über Jahrhunderte in Mooren, Sümpfen oder in Flussufern gelegen hatten und ausgegraben wurden. Die Gerbsäure des Eichenholzes verbindet sich im Verlaufe von Jahrtausenden mit den Eisensalzen des Wassers, wodurch das Holz sehr hart wird und sich stark verfärbt. Die Verfärbung kann sehr unregelmäßig sein und variiert von hellgrau über dunkelgelb, dunkelbraun, blaugrau bis tiefschwarz. Diese fossilen Eichen können 600 bis 8500 Jahre alt sein.
Die Eiche, die ich die Gunst hatte, zu dieser mittelgroßen Schale verarbeiten zu können, wurde nachweislich aus einer Kiesgrube im Lahntal in Mittelhessen geborgen. Eine exakte dendrologische Expertise von diesem Holz habe ich leider nicht. Den teilweise zu Bohlen und Brettern aufgeschnittenen Stamm habe ich vor 40 Jahren erworben, leider nur sehr sparsam genutzt und zwischenzeitlich sogar vergessen. Und heute endlich wiederentdeckt.
Das Holz offenbart sich auf faszinierende Weise in seiner Zellstruktur und seinen Jahresringen, in seinen Farben, Lichtspiegelungen und Prismen. Dieses fossile Holz stellt uns Drechsler vor Herausforderungen, weil es gleichermaßen extrem hart und brüchig ist. Die Schneiden der Werkzeuge werden schnell stumpf, die Späne rollen nicht, sondern lösen sich auf zu einem Granulat aus Schnitzel und Staub.
Die Schale hat einen Durchmesser von 195 mm und eine Höhe von 75 mm, die Wand ist am oberen Rand 17 mm und nach unten hin 10 mm stark. Sie ist pur in jeder Hinsicht, ohne Wachs, Öl, Lack oder anderen fremden Stoffen.

Ich habe für mich entschieden, die Geburt und das Leben dieses Eichenstammes festzulegen auf das Mesolithikum, also in die Zeit, in der die „Schamanin von Dürrenberg“ gelebt hat. Weshalb ich darauf komme? Weil ich gerade die sehenswerte Ausstellung über diese Dame im Museum für Vorgeschichte in Halle (Saale) besucht habe (und weil mir niemand das Gegenteil beweisen kann).

Freundliche Grüße von Peter Gwiasda

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largo
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Re: Holz aus der Zeit der "Schamanin"

Beitrag von largo »

Dafür gibt es in meinen Augen nur ein Wort:

faszinierend!

Danke fürs Zeigen und Deine wahrsheinlich sehr sehr staubige Arbeit Peter. :danke:
Grüße aus dem (württembergischen) Allgäu
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ilU
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Re: Holz aus der Zeit der "Schamanin"

Beitrag von ilU »

Tolle Arbeit, schöner Fund, bin gespannt was da noch kommt.

Wirklich schön und bestimmt knüppelhart.
Beste Grüße aus OWL, Uli
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